Die Saarländische Zündholzfabrik

Die Fraulauterner Streichholz-Fabrik oder – wie sie im Ort genannt wurde – Fixfeuer-Fabrik (Fexfeia-Fabrik) wurde als Firma Scheben und Zeller 1920 gegründet und bald als GmbH eingetragen und erschien – abhängig von der Zeit und den politischen Verhältnissen – unter verschiedenen Namen und verschiedenen Rechtsformen. Sie lag in der unteren Bahnhofstraße (Hausnummer 36), dort, wo sich heute die Firma SHG befindet, direkt hinter dem flachen Gebäude der gemeindlichen Badeanstalt. Die Firmeneinfahrt befand sich gegenüber der heutigen Einmündung der Brückenstraße in die Bahnhofstraße. Nur wenige können sich heute noch an die eigentlichen Firmengebäude erinnern und nur wenige wissen, dass sich auf dem Firmengelände auch zwei Tennisplätze befanden, auf denen nach dem Wiederaufbau der Firma ab 1947 der seinerzeitige Firmendirektor Hans Wilke seinen sportlichen Neigungen nachging.

 

Die Zündholzfabrik, die ihre Rohstoffe zum Teil aus Frankreich, zum großen Teil aber aus den baltischen Gebieten bezog, war in der Lage, vom rohen Baumstamm bis zum fertigen Zündholzpaket alles selbst herzustellen. Die angelieferten Holzstämme wurden auf einer Spezialsäge in Rollen von ca. 80 cm Breite geschnitten und entrindet und die Einzelrollen in Schälmaschinen gespannt, welche, je nach dem ob Schachtelspan oder Holzdrahtspan hergestellt werden sollte, in verschiedene Dicke geschält. Der (dünnere) in langen Streifen aus der Schälmaschine herauskommende Schachtelspan wurde während des Schälvor-

ganges gleichzeitig geritzt (damit er sich nicht wieder sofort zusammenrollte) und in einer Abschlagmaschine in verschiedene Breiten geschnitten, je nach dem ob es sich um Späne für die Außenschachtel oder die Innenschachtel handelte. Der immer noch feuchte, fertig zugeschnittene Span wurde sodann getrennt nach Innen- oder Außenschachtel in Klebemaschinen mit Papier umklebt. Weil diese Schachteln nunmehr zusätzlich noch von dem Kleber angefeuchtet waren, kamen sie für eine Stunde in einen Trockenschrank und danach als Innen- und Außenschachteln in eine Zusammenstoßmaschine, welche die Außenschachtel und ihren Einschub zusammensetzte und mit dem jeweiligen Etikett versah. Der Holzdrahtspan, der ebenfalls in langen Streifen aus der Schälmaschine herauskam, wurde auf einer Abschlagmaschine in die für die Zündholzlänge erforderlichen Maße geschnitten, kam danach kurz in ein Farbbad und dann in große rotierende Trockentrommeln, die die späteren Zündhölzer gleichzeitig polierten. Danach wurde es wieder gleichgelegt und kam dann in die sogenannte Komplettmaschine, wo die Hölzer zunächst in Parafin und danach mit ihrem Kopf in die Zündmasse getaucht wurden. Diese Maschine lieferte in einer Stunde eine Million Zündhölzer, die innerhalb dieser Zeit eingestoßen, parafiniert, in die Zündmasse getaucht, getrocknet und ausgestoßen wurden.

 

Die Füllung der Schachteln, die inzwischen vollständig getrocknet waren, erfolgte wiederum durch besondere Füllmaschinen, die bei einer Umdrehung der Maschine, die die Schachteln zunächst wieder aufgestoßen, verfüllt und danach wieder geschlossen haben. Danach wurden sie wieder angefeuchtet und mit einer Reibfläche versehen und erneut getrocknet. In der Packmaschine wurden sie dann zu 10er-Päckchen zusammengestellt und mit Papier umwickelt, das gleichzeitig noch einmal ein Einzeletikett gemäß ihrem Inhalt erhielt. Täglich konnten so 200.000 Schachteln fabriziert werden, was bedeutet, dass für ihre Befüllung täglich 12.000.000 Hölzchen hergestellt werden mussten.

 

Die Zündholzschachteln trugen keinen Hinweis auf den Firmenstandort Fraulautern (später Stadtteil von Saarlouis), sondern als Hersteller „Saarländische Zündholzfabrik“ oder (nach dem 2. Weltkrieg) „Saarländische Zündwarenregie“, in deren Auftrag die Fabrik unter französischer Verwaltung ab 1948 arbeitete. In den 30er Jahren hatte das Unternehmen unter Kontrolle des schwedischen Zündholz-Trust gestanden. Nach 1957 erhielt die Fabrik aus steuerlichen Gründen eine Identifikationszahl (362) zugeteilt, so dass die Herkunft der Hölzer nur noch den Eingeweihten erkennbar war.

 

Die Zündholzschachteln waren beliebtes Werbemedium. Es gab nach dem Krieg besondere Aufkleber für dort beschäftigtes Personal. Gut bekannt ist sicherlich noch das Etikett „Bergmann mit Grubenlampe“, das es in verschiedener Form gab. Die Firma Edeka hatte eine Serie mit Produktwerbung bestellt, ebenso wie die Firma Philipps oder andere hier im Saarland bekannte Lebensmittel-, Getränke- oder Haushaltswarenfirmen. Auch im Abstimmungswahlkampf 1955 erschienen auf Streichholzschachteln die Parteiinitialen bzw. Wahlslogans. Teilweise handelte es sich dabei jedoch um „inoffizielle“ Aufkleber, also Aufkleber, die nicht im Werk maschinell aufgebracht wurden, sondern von Wahlhelfern auf gewöhnlicher Handelsware überklebt wurden.

 

Außer dem oben schon gezeigten „Bergmann mit Grubenlampe“ folgen hier noch einige Beispiele aus der Sammlung des Autors:

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.saar-nostalgie.de in dem Aufsatz von Wolfgang Brauer: „Die saarländische Zündholzfabrik AG bzw. GmbH“, auch mit weiteren schönen Beispielen.

 

Der Verein für Geschichte und Heimatkunde Saarlouis-Fraulautern e. V. ruft Sie hiermit auf, diesen Teil der Fraulauterner Industriegeschichte näher aufzuklären und bittet Sie, in Ihren Verstecken nachzusehen, ob Sie noch Exemplare der verschiedenen Zündholzschachteln haben, die Sie uns überlassen können. Desweiteren sind wir sehr interessiert an fotografischen Darstellungen sowohl des Firmengeländes mit den Firmenaufbauten oder gar an Fotografien aus dem Innern des Unternehmens.


Melden Sie sich bitte bei unseren Vorstandsmitgliedern oder im Rahmen unserer 14tägigen Arbeitsgemeinschaften im Torhaus Soubise.

 

Vereinsraum Torbogen:
Klosterstraße 15
66740 Saarlouis-Fraulautern
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Geschäftsadresse:
Verein für Geschichte

und Heimatkunde

Saarlouis-Fraulautern e.V.
Jahnstr. 93
66740 Saarlouis
 

Vereinszeitung

Der Vorstand des Vereins informierte seine Mitglieder im Zusammenhang mit der diesjährigen Mitgliederversammlung durch Überreichung bzw. Übersendung einer Vereinszeitung, in welcher die Vereinsaktivitäten im verflossenen Jahr 2017 sowie die beabsichtigten Veranstaltungen in diesem Jahr erläutert wurden. 

2017
Vereinszeitung des Verein für Geschichte und Heimatkunde Fraulautern
Verein17 neu.pdf
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Die Veranstaltungsdaten der Fraulauterner Vereine finden Sie im neuen Jahresveranstaltungs-kalender 2018, der seit Jahresbeginn kostenlos bei den Fraulauterner Gewerbetreibenden ausliegt.

                                

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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