Die Pfarrkirche "Heilige Dreifaltigkeit" zu Saarlouis-Fraulautern

Im Laufe der wechselvollen, über tausendjährigen Geschichte des Pfarrortes Fraulautern gab es nachweislich drei Vorläuferinnen der heutigen Pfarrkirche. Dass es aber eine vierte gegeben haben muss,ist auf der Urkunde über die Verordnung des Erzbischofs Ruotbertus von Trier (931-956) zu ersehen, in welcher unser Ort als "Lutrea Wilre" zum ersten Male erwähnt wird. Durch diese Verordnung werden die umliegenden Pfarreien verpflichtet, am Sonntag nach Christi Himmelfahrtnach dem Kloster Mettlach zu wallfahren. Dieser Erlass des Trierischen Erzbischofs für Mettlach wurde in der Folgezeit von Adalbero ( Albero von Montreuil 1131 - 1152) erneut bestätigt und durch Erzbischof Theoderich II ( 1212 - 1242 ) bekräftigt. In dieser Ausfertigung, welche die Auflistung der verpflichteten Pfarreien aus der früheren Urkunde als Transsumpt wörtlich übernahm, ist ausdrücklich von "ecclesiae parochiales" die Rede, also von Pfarrkirchen.

Apollonia-Kirche

Diese Pfarrkirche unterstand dem Patronat der heiligen Apostel Petrus und Paulus. Sie war Vorläuferin der im Jahre 1540 konsekrierten Apollonia- Kirche, die auf den Trümmern eben dieser ersten Kirche neu errichtet wurde. Während der romantische Turm und die Nordseite der alten Kirche erhalten blieben, wurde das Kirchenschiff im spätgotischen Stil aufgeführt.

Apolloniakirche Innen

Später wurde diese Pfarrkirche Mutterkirche von Wallerfangen mit St. Barbara und Niederlimberg und wiederum später auch von Beaumarais, das im Rahmen der Erbauung der Stadt saarlouis neu gegründet worden war.

Das Hochadelige Damenstift Fraulautern hatte sein eigenes Gotteshaus, das der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht war und um 1739 von der damaligen Äbtissin Marie-Therèse Freifrau von Saintignon an gleicher Stelle der in den Wirren des 17.Jahrhunderts schwer gelittenen alten Klosterkirche errichtet und von dieser Zeit an mehr und mehr als Fraulauterner Pfarrkirche betrachtet wurde, zumal die Apolloniakirche durch das Anwachsen der Bevölkerung im Laufe der Zeit viel zu klein geworden war.

In den Stürmen der Französischen Revolution war das Kloster aufgehoben worden, die Klostergüter von der französischen Nation beschlagnahmt und zweckentfremdet. Das gesamte Klosteranwesen wurde am 1.09.1796 versteigert. Im Jahre 1814 wurde dann die ehemalige Klosterkirche zur Pfarrkirche bestimmt, obgleich sich zum damaligen Zeitpunkt noch sämtliche Klostergebäude im Privatbesitz befand. Erst am 5.02.1818 verkaufte der Eigentümer Andres Rouply aus Oberlimberg der damals selbständigen Gemeinde Fraulautern diese Kirche, die dann 80 Jahre lang als Pfarrkirche diente.

Durch das starke Anwachsen der Bevölkerung gezwungen, entschloss man sich im Jahre 1884 eine neue grössere Kirche zu bauen. Nach vielerlei Vorbereitungen, nach Grundstückserwerb und aufwendigen Bodenuntersuchungen fand im August 1893 die Grundsteinlegung zu dem neuen Gotteshaus statt. Das gewaltige Bauwerk, das im Juni 1895 konsekriert, war eine dreischiffige neugotische Basilika mit Querschiff, Hauptschiff und zwei Nebenschiffen. Der mächtige, etwas gedrungen wirkende Turm zur Strassenseite hin war flankiert von zwei kleineren Türmchen.

neugotische Kirche, erbaut 1893 – 1895

Es sollte aber nur ein knappes halbes Jahrhundert vergehen, bis unser Heimatort, und mit ihm auch dieses gewaltige Gotteshaus in den Wirren des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört wurde. Bei einem Bombenangriff in der Nacht zum 2. September 1942, bei dem 30 Einwohner von Fraulautern den Tod fanden, wurde ein grosser Teil des Ortes zerstört. Die Kirche selbst erlitt Schäden am Dach und an den Fenstern. Am 1. Dezember 1944 wurden dann bei einem schweren Bombenangriff das Mittelschiff sehr stark beschädigt. In den letzten Monaten des Krieges war die Kirche, wie auch der gesamte Ort, Ziel unzähliger Granateinschläge und Bombentreffer. Fraulautern bot danach ein Bild des Grauens. Durch die Zerstörung der Apolloniakapelle und der Dreifaltigkeitskirche war unser Ort ohne Gotteshaus. Es war die trostloseste Kircheruine im Bereich des Bistums Trier, wie man in der Bischofsstadt feststellen zu können glaubte.

Für die ersten Heimkehrer aus Evakuierung und Krieg wurden nach der Beseitigung vieler Schwierigkeiten in zwei notdürfig hergerichteten Zimmern im Privathaus Bartz in der Brückenstrasse die ersten Werktagsgottesdienste gehalten. 

 

Als Pastor Gilles an Pfingsten 1945 zurückkehrte, richtete er unter Mithilfe der Pfarrangehörigen in den Trümmern des Hotels "zur Post" in der Bahnhofstrasse zwei kleine Säle her, um darin den Sonntagsgottesdienst zu halten. Diese Säle wurden sehr bald zu klein, da immer mehr Fraulauterner in ihre Heimat zurückfanden.

Schon im Juni 1945 begann man mit dem Bau einer Notkirche, die mit den Ausmassen 40m x 8m als Stahlkonstruktion mit Bimssteinplatten in der Heydingerstrasse errichtet wurde. Bereits am Palmsonntag 1946 konnte das Allerheiligste in diese Notkirche übertragen werden.

Das erklärte Ziel aller Pfarrangehörigen war aber der Wiederaufbau ihrer Pfarrkirche. Am 12.10.1947 wurde aus Mitgliedern des neugewählten Kirchenvorstandes ein Bauausschuss gebildet, der zunächst die Möglichkeit eines Wiederaufbaues der zerstörten Pfarrkirche in Erwägung zog. Nach den Aufräumarbeiten stellte man aber schnell fest, dass an einen Wiederaufbau nicht zu denken war. Nachdem am 28.10.48 wenige Stunden vor dem Zusammentreten der 9. Sitzung des Bauausschusses Pastor Josef Gilles, die treibende Kraft des Kirchenneubaues, verstarb, war es sein Nachfolger, Pastor Aloys Piroth, der nach Antritt der Pfarrstelle am 18.11.1948 im Sinne seines Vorgängers mit den Pfarrangehörigen in ausserordentlicher Zielstrebigkeit und aufopferndem Einsatz die begonnene Aufgabe weiterzuführen. Am 23.01.1949 wurde den Architekten Latz und Laub, Saarwellingen, der Auftrag erteilt zur Planung einer neuen Kirche. Erklärtes Ziel von Planung und Ausführung war es dabei, mit sparsamsten Mitteln eine würdige, klare, zeitentsprechende Lösung zu finden. Nach der Sprenung der Ruinen wurde bereits am 9.10.1949 der Grundstein gelegt zu der völlig neuen Pfarrkirche, die wir heute vor uns haben. Benutzt werden konnte immerhin die wegen des sumpfigen Untergrundes im Jahre 1895 bis in 4m Tiefe gegründeten Fundamente des Vorläuferin.

 

Da die Notkirche in der Heydingerstrasse mittlerweile auch schon viel zu klein geworden war, erteilte die Bischöfliche Behörde die Genehmigung, in der noch im Rohbau befindlichen Kirche das Heilige Messopfer zu feiern. Obwohl der Bodenbelag noch aus roter Asche bestand, die Wände noch unverputzt waren und die Dachkonstruktion noch sichtbar war, fand am Feste Mariä Geburt 1950 der erste sonntägliche Gottesdienst in dem überfüllten Rohbau statt. Erst rund 10 Jahre später, am Buss- und Betttag 1960 ( 16. November 1960 ) konsekrierte Weihbischof Dr. Bernard Stein das neue Gotteshaus, die "Dreifaltigkeitskirche" zu Fraulautern.

An ihre Vorgängerin erinnert heute nur noch eine erhalten gebliebene Pièta, die 1926 von dem Künstler Mettler aus Morbach geschafft wurde und heute die Marienkapelle links vom Hauptportal ziert, das Taufbecken von Bildhauder Kiefer aus Trier aus dem Jahre 1890 und ein Säulenbruchstück, das im Chorraum sichtbar eingemauert ist.

 

Mit der Errichtung des Marienturms, der aus städtebaulichen Gründen als Kampanile neben der Kirche aufgeführt ist, könnte im Sommer 1954 begonnen werden. Er trägt die 5 Glocken ds Geläutes, von denen die 4 Grössten ein Geschenk der Stadt Saarlouis sind und die sämtlich am 16.11.1954 in der einheimischen Glockengiesserei Otto gegossen wurden. Sie wurden am 28.11.1954 (1.Adventsonntag) geweiht auf den Namen "Heiligste Dreifaltigkeit", "Heilige Maria, Königin des Himmels und der Erde", "Heiliger Josef", "Heilige Apollonia" und "Heilige Barbara". Für die letztere übernahm die Pfarrgemeinde die Materialkosten und die Giesserei Otto die Herstellungskosten. Das Gesamtgewicht des Glockengeläutes beträgt 7200 kg, die Tonanordnung "b - d - f - g - a" entspricht dem Eingangsmotiv des Marianischen Antiphons "Salve Regina". Zum ersten Mal erklangen die Glocken in feierlichem Geläut am 8.12.1954 bei der festlichen Einweihung des Marienturms.

 

Der neue Kreuzweg, geschaffen in der Werkstätte der "Ars liturgica" in Maria Laach von dem Bildhauer Alphons Biermann, wurde am 13.März 1953 eingeweiht. In Laacher Tuffstein gemeisselt sind die 14 Stationen jeweils 60cm breit und 90cm hoch. Die Figuren auf den Halbreliefs sind leicht koloriert.

 

Die Nachkriegsorgel, die von der Orgelbauanstalt Hugo Mayer aus Heusweiler erbaut wurde, hatte insgesamt 3046 Pfeifen, davon 180 Holzpfeifen, 324 Zinkpfeifen und 2542 Zinnpfeifen. Die Orgelweihe konnte in festlichem Rahmen schon an Palmsonntag, dem 22.März 1959 stattfinden. 

Kirchenschiff und Mayer-Orgel

Damit hatte der Pfarrort Fraulautern, dessen Kirche im Krieg am schwersten betroffen war, schon nach kurzer Zeit ein würdiges neues Gotteshaus. 

 

Nachdem die Finanzen des Pfarrgemeinde in den 80er Jahren mehr und mehr mit erheblichen Reparatur- und Unterhaltungskosten zur Herstellung der Spielbereitschaft für Gottesdienste der kirchlichen Hochfeste sowie der Kirchenkonzerte belastet wurden, war zunächst an eine umfassende Überholung der Orgel gedacht. Nach eingehender Untersuchung und Begutachtung empfahl der Domorganist Wolfgang Oehms, die Orgel von Grund auf neu zu bauen, weil das vorhandene Werk, das weitgehend aus minderwertigen (Nachkriegs-) Materialien bestand , nach 35jähriger Dienstzeit regelrecht ausgedient hatte. Unter Pastor Rolf Dehm fing man daraufhin an, das schwierige Werk eine dem Kirchenraum angemessene Orgel zu planen und die Finanzierung abzusichern. Mit Hilfe der gesamten Pfarrgemeinde, einiger bedeutender Einzelspenden, vor allem aber mit Unterstützung des am 21. April 1987 gegründeten Orgelbaufördervereins gelang dies innerhalb kurzer Zeit, so dass bereits am 14. Oktober 2001 die neue Orgel eingeweiht werden konnte. Es handelt sich um eine aus 33 Registern bestehende zweimanualige Orgel mit Solowerk und elektrischer Registersteuerung, bestehend aus 2161 Pfeifen, die als Opus 1080 von der Firma Orgelbau Link, Giengen/ Brenz gebaut wurde.

 

Sie gehört zu den musikalisch wertvollsten und schönsten Orgeln in der näheren Umgegend.

Blick von der Empore auf Altar und Chorraum

Sein heutiges Bild erhielt das Kircheninnere in den Jahren 1979/ 1980. Der nüchterne Zweckbau der Nachkriegszeit erfuhr unter Pastor Willi Rodermann nach den Plänen des Architekten Karl-Peter Böhr aus Trier, geleitet von den Richtlinien und dem Geiste des II. Vaticanums und getragen von den künstlerischen Vorstellungen unserer Zeit eine tiefgreifende Umgestaltung zu einem sakralen Raum, der zum Verweilen und Meditieren geradezu einlädt. Fraglos das Besondere und Bestimmende für den erhebenden und befreienden Eindruck, den man beim Betreten unserer Kirche erlebt, sind die Kirchenfenster, die sämtlich geschaffen wurden nach Entwürfen des Mainzer Künstlers Alois Johannes Plum von den Werkstätten für Glasgestaltung W. Derix, Rottweil.

Fenster des Chorraumes, die Dreifaltigkeit aber auch die Dreieinigkeit Gottes darstellend

Bild links: 1. Fensterpaar, Altes Testament, Wolkensäule, Gesetzestafel, Bundesschluss Gottes mit dem israelitischen Volk, Gesetzgebung am Sinai. ( Exodus 19 und 20) Foto rechts: Parallele im Neuen Testament: Leuchtende Stadt auf dem Berge. Bergpredigt (Matthäus 5, 1-12), Jesus gibt an das neutestamentliche Volk seine Gesetze in Form der acht Seligpreisungen. Seligpreisungen als Wegweisung für das Ziel unseres Lebens, Eingehen ins himmlische Jerusalem. Damit legt er den neuen Geist des Reiches Gottes in einer programmatischen Rede dar.

Bild links: 2. Fensterpaar. Altes Testament, Opferaltar und Weg in Ungewisse. Abraham als Vater des Glaubens erhält von Gott den Auftrag, in das Land zu ziehen, das er ihm anweist. Im Vertrauen auf Gott, mit einem festen Glauben, wagt Abraham diesen Weg zu gehen (Genesis 12, 1- ). Bild rechts: Parallele im Neuen Testament: Stern als Sinnbild der Parusie Gottes, das Sich-Öffnen Mariens den Anruf Gottes und ihre Bereitschaft im Aufnehmen. Maria, Urbild des Glaubens im Neuen Testament. Durch ihren Glauben und ihr Vertrauen, durch ihr Ja- Wort bereitet sie den Weg des Gottessohnes in diese Welt. (Lukas 1, 26 ff).

Bild links : 3. Fensterpaar. Altes Testament, Nebelzone, Hadern des israelitischen Volkes gegen Gott und Moses, Mannaregen. Gott gibt dem israelitischen Volk das Manna als Speise auf dem Weg der Wüstenwanderung (Exodus 16, 1). Bild rechts: Parallele im Neuen Testament: Brot und Fische, das Erdhafte wird transzendent. Speisung der 5.000 Menschen, wunderbare Brotvermehrung. Zeichen für unvergängliche Speise der Eucharistie.

Bild links: 4. Fensterpaar. Altes Testament, Fisch und Stadt. Der Prophet Jona erhält Verkündigungsauftrag an Ninive. Das Heil ist geknüpft an Umkehr und Glauben. Jona im Bauch des Fisches, nach drei Tagen am Ufer, geht in die Stadt und verkündigt. Sendung des Propheten durch Gott (Jonas 1-4). Bild rechts: Parallele im Neuen Testament: Lebensstrom, Feuerzungen. Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung (Pfingsten) als Sendung an die Jünger- Gemeinde und dieses Welt.

Bild links: 5. Fensterpaar. Altes Testament. Der 7köpfige Drachen ist Sinnbild des vielfältigen Bösen. Der Stern verdeutlicht Maria, umgeben von einer Krone aus 12 kleinen Sternen. Die Frau und der Drachen im Streit, der Drachen verfolgt die Frau, Sinnbild der Kirche. Bild rechts: Parallele im Neuen Testament: Die 12 Perlen versinnbildlichen die 12 Tore des himmlischen Jerusalem, durch die der Gerechte nach diesem Leben eintreten wird.

Über dem Altarraum, gleichsam schwebend, hängt ein mächtiges Kruzifix, dessen romanischer Korpus aus dem Holz der Kastanie gearbeitet wurde im Jahre 1980 von Luis Piccolruaz aus St. Ulrich im Grödnertal, vom Künstler nachempfunden dem burgundischen Stil des 12. Jahrhunderts. An den Enden der Kreuzbalken finden sich die Symbole der vier Evangelisten, in Holz geschnitzt und farblich gefasst ebenfalls von einem Künstler aus St. Ulrich, dem Bildhauer Matthias Resch.

Die Sakramentskapelle ist durch ihre Ausstrahlungskraft ein ganz besonderer Ort in unserer Kirche. Durch ein kleines, rubinrotes Fenster mit einem symbolisierten Lebensreis, fällt gedämpftes Licht, das den Raum in ein warmes Halbdunkel taucht. Das "Ewiglicht" vor dem Tabernakel ist es wert, etwas näher betrachtet zu werden. Es handelt sich um eine Barockleuchte aus einer lothringischen Kirche, die nach dem Erwerb durch den früheren Pastor von Ihn, Herrn Pfarrer i.R. Johannes Scholtes, vom Goldschmiedemeister Hans Alof, Trier, neu hergerichtet wurde. Zwei anbetende Engel, die noch aus der ehemaligen barocken Klosterkirche stammen, lenken den Blick auf den breitausladenden, dreiteiligen Bronze- Tabernakel, der nach dem Krieg von Bildhauer Johann Scherl/ Wittlich für die Pfarrei St. Gangolf in Trier geschaffen worden war und von dort durch Pastor Rodermann für unsere Kirche erworben werden konnte.

Während der zweiflügelige Mittelteil die Abendmahlszene darstellt, ist auf dem linken Flügel abgebildet eine Stelle aus dem Johannes-evangelium (Joh. 20,11), wie Jesus der Maria Magdalena, die mit einem Ölgefäß zum Grabe eilt, erscheint. Auf dem rechten Flügel des Tabernakels ist abgebildet, wie der Auferstandene dem Tomas begegnet „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh. 20, 28).

Von dem Bildhauer Matthias Resch aus St. Ulrich / Grödnertal stammt die aus Zirbelkiefer gearbeitete Madonna „La vierge à l’enfant“. Das Original dieser frühgotischen Darstellung kommt aus der Kirche von Celle (Dep. Seine et Marne, Frankreich) und steht heute im Louvre in Paris. Die in ausgezeichneter Ausführung im Auftrag der Kirchengemeinde gefertigte Kopie hat ihren Platz auf der Seite zur Sakristei gefunden.

 

An der Rückseite der Kirche, dort wo früher die kleine Seitenpforten waren, befindet sich auf der linken Seite vom gleichen Künstler eine baroke Darstellung des Heiligen Josef, den Sohn Gottes, den Herrscher der Welt auf dem rechten Arm tragend.

Rechts finden wir die von Niespohr neu gefasste Pièta aus der Vorgängerkirche, ein beliebter Ort der kleinen Andacht und Fürbitte zur Gottesmutter Maria, der Königing der Märtyrer. Nach der Kriegszerstörung der Vorgängerkirche aus dem Schutt hervorgeholt und danach zunächst in der Kapelle des Marienturms aufgestellt, hat dieses Halbrelief den ihm zustehenden Platz dort in unserer Kirche erhalten, wo es auch früher stand.

 

Beim Eintritt in die Kirche wird der Blick zuallererst gelenkt auf die drei schönsten Fenster des Chorraumes, die der Taufkapelle ihr Licht spenden. Faszinierend in ihrer Farbgebung und Gestaltung sind die Sinnbilder der „Dreifaltigkeit“, aber auch der Dreieinigkeit Gottes und vermitteln durch ihre überwiegend hellen, aber doch kräftigen Farbtöne eine festliche Atmosphäre. Die insgesamt 10 Fenster im Langhaus stellen in abstrakt-symbolhafter Form das Wirken Gottes an den Menschen im Alten und Neuen Testament dar. Der Künstler hat die Fenster jeweils paarweise angeordnet. Auf der rechten Seite sind alttestamentarische Begebenheiten versinnbildlicht, die jeweils im gegenüberliegenden Fenster ihre Entsprechung im Neuen Testament finden. Die leuchtende Farbigkeit der Fenster und ihre einfache, aber überaus eindringliche Symbolhaftigkeit ist wesentlich bestimmend für die einladende und weihevolle Helle, die den Betrachter beim Eintritt in die Kirche umfängt und die den Charakter des gesamten Raumes bestimmt.

Wir beschränken uns darauf, lediglich auf die Thematik der einzelnen Fenster hinzuweisen. Ihre Deutung will der Künstler bewusst dem jeweiligen Betrachter selbst überlassen. Zu beachten ist jedoch, dass aus Gründen der farblichen Symmetrie die jeweils ersten Fenster an die Orgelempore gesetzt wurden (vgl. Grundriss). Dies hat zur Folge, dass diese Fenster, dem Betrachter nur von der Empore aus zugänglich, nicht vollständig fotografisch wiedergegeben werden können.

„Der Weg Gottes mit den Menschen im alten und neuen Bund“, aufgezeigt in den Fenstern unserer Kirche, die beeindruckend sind in ihrer schlichten Symbolik, jedoch überwältigend in der farblichen Gestaltung.

Von hohem künstlerischen Wert ist der neue Altar, als einfacher Opfertisch aus naturfarbenem Sandstein geschaffen, jedoch näher zum Kirchenraum hin verlegt. Seine hervorragende künstlerische Ausgestaltung erfuhr er durch Johann Baptist Lenz aus Oberkail-Eifel. Die 4 Teile der Bronzeumkleidung des Altartisches stellen 4 biblische Szenen dar, eine aus dem Alten Testament und drei Szenen aus dem Neuen Testament:

 

Die Stirnseite zeigt Jesus mit den Emmausjüngern: „Und als er mit ihnen zu Tische war, geschah es, da nahm er das Brot, sprach das Segensgebet, brach und gab es ihnen.“ (Luk. 24,30).

Auf der Rückseite ist Melchisedek zu sehen: „Der König von Salem brachte Brot und Wein heraus, er war nämlich ein Priester des allerhöchsten Gottes.“ (Gen. 14,18).

Zur Sünderin, auf der linken Altarseite dargestellt, sprach Jesus: „Deine Sünden sind dir vergeben! Dein Glaube hat dich gerettet, geh hin in Frieden!“ (Luk. 7,48).

Auf der rechten Seite ist das Zusammentreffen mit Zachäus dargestellt, zu dem Jesus sprach: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren; denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten was verloren war.“ (Luk. 19,9)

 

Mit seinen mattschimmernden Bronzedarstellungen bildet der Altar den geistigen und optischen Mittelpunkt unseres Kirchenraumes.

 

Vom selben Künstler stammt auch der aus gleichem Material hergestellte Ambo, die Bergpredigt (Math. 5, 1-12) darstellend.

 

Der Chorraum, durch das Vorrücken des Altars freigeworden, wurde zur Taufkapelle. Hier fand der neugotische Taufstein aus dem Jahre 1890 nach Überarbeitung des Sockels durch den einheimischen Künstler Anton Knauf seinen Platz. Die Bekronung des Taufbeckens wurde ebenso wie die Altarumkleidung von Joh.Bapt.Lenz entworfen und ausgeführt.

Im Chorraum sind beiderseits des Altares der Werktagskapelle zwei Statuen aus der früheren Kirche aufgestellt, überarbeitet von dem Restaurator Niespohr aus Zell/ Kaimt, rechts Kaiser Heinrich II, in seiner Hand den Bamberger Dom tragend und gleichzeitig beschützend, links ein nicht näher bestimmbarer Papst.

Beim Verlassen der Kirche lohnt noch eine eingehende Betrachtung der Figuren rechts und links vom Ausgang sowie an der Stirnseite der Empore. Von unbekannten Künstlern gefertigt, steht links hoch an der Brüstung der Empore, der Heilige Joachim, rechts die Heilige Anna, beides Figuren, die lange Zeit auf dem Pfarrhausspeicher lagen, ehe sie restauriert wurden und einen würdigen Platz in der Kirche erhielten.

An den Seitenwänden, unmittelbar vor dem Abschluss der Empore, ist rechts an der Aussenmauer aufgestellt der Heilige Antonius mit Kind, nach einem Original in der Kirche zu Berus, und links die Heilige Barbara mit Turm, beides Werke des schon erwähnten Künstlers Matthias Resch aus St. Ulrich.

Text: Guido Fontaine, unter geringfügiger Änderung des eigenen Textes im Kirchenführer der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit Saarlouis-Fraulautern.

Fotos: Lutwin Fontaine / Guido Fontaine, SW-Fotos: Sammlung Guido Fontaine, Grafik: H-.-J. Reif.

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